Nur ein Kinobesuch

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Fri, 2008-06-13 16:46 by Hans-Georg

KinoticketWir wollten nach Jahren einmal wieder in ein richtiges Kino gehen, statt in unser Heimkino, teilweise nur, weil wir den Film sofort sehen wollten und nicht auf die DVD warten, die meist erst ein paar Monate später erscheint. Der Film war: "Indiana Jones 4" (englisch: "Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull"), nach vielen Jahren endlich wieder eine Fortsetzung der sehr erfolgreichen Serie mit dem Regisseur Steven Spielberg und Harrison Ford als der Archäologe Indiana Jones.

Also wählten wir eines der technisch besten Kinos Münchens, den Mathäser-Palast und machten unseren Plan. Das Kino hat einen Internet-Karten-Vorverkauf und liegt verkehrsgünstig bei der S- und U-Bahn-Station Karlsplatz (Stachus), so dass wir uns entschlossen, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen.

Die öffentlichen Verkehrsmittel

Ich hatte an diesem Tag gleich zweimal das Vergnügen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, die ich sonst möglichst meide. Das ging so:

In weiser Voraussicht suchte ich mir noch ein 50-Cent-Stück, denn die Streifenkarte kostet €10,50, und ich hatte nur einen ganzen Euro. Zwar soll der Automat Wechselgeld herausgeben, aber ich wollte meinen Euro behalten, weil man den manchmal unbedingt braucht.

Dann ging ich mit Georg zur S-Bahn. Wir hätten eigentlich einen Bus benutzen können, der den größten Teil des Weges bis zur S-Bahn fährt, aber ich hatte keine Streifenkarte (die Münchner Bezahlmethode, die so genial ausgedacht ist, dass kein Fremder sie versteht). Da man die im Bus nicht kaufen kann, liefen wir zu Fuß und sahen dem Bus beim Vorbeifahren zu.

Wir kamen trotzdem einige Minuten for Abfahrt der S-Bahn an, weil der Bus früher fuhr, als es notwendig wäre, um die S-Bahn zu erreichen.

Ich ging also zum Fahrkartenautomaten, suchte eine Weile nach der richtigen Taste, die unter zwei Reihen größtenteils gleich aussehender Tasten sehr gut versteckt war und wollte dann erst einmal meine Geldkarte ausprobieren. Die nahm der Automat nicht. Kein Problem, dachte ich mir, dann nehmen wir eben das schon vorbereitete Bargeld. Ich schob also einen €10-Schein hinein, und der Automat zeigte den noch fehlenden Restbetrag an: 50 Cent. Froh über meine gute Vorbereitung, steckte ich stolz mein 50-Cent-Stück in den Schlitz und griff nach dem Ausgabefach. Dort klingelte aber nur meine Münze, die der Automat wieder ausgespuckt hatte.

Also steckte ich die Münze ein zweites Mal hinein. Diesmal blieb sie drin. Aber der Automat zeigte weiterhin einen Fehlbetrag von 50 Cent und dachte gar nicht daran, eine Fahrkarte auszugeben.

Ich drückte die Abbruch-Taste in der Hoffnung, dass der Automat mein Geld zurückgeben würde. In der Tat spuckte er meinen Geldschein wieder aus, nicht aber die Münze. Inzwischen schlossen sich die Bahnschranken und kündigten das Herannahen meiner S-Bahn an.

Na gut, dachte ich, dann muss ich wohl meine €1-Münze auch noch opfern. Ich steckte also den €10-Schein wieder hinein, den der Automat auch wieder gnädig annahm, und dann die €1-Münze. In diesem Moment rollte die S-Bahn an mir vorbei in den Bahnhof.

Der Automat hatte meine €1-Münze geschluckt, zeigte aber weiterhin denselben Fehlbetrag an und dachte wieder nicht daran, mir eine Fahrkarte zu verkaufen. Ich drückte die Abbruch-Taste, griff nach meinem Geldschein, sah auch nach der Münze, die aber ebenfalls nicht wieder herauskam, und rannte zur S-Bahn. Zu meinem Erschrecken waren die Leute recht schnell ein- und ausgestiegen, so dass niemand mehr an einer der Türen stand. Ich rannte, und als sich die Türen schlossen, erreichte ich die letzte und zwängte mich in letzter Sekunde hinein.

Soviel zu meiner Erfahrung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich versuche es alle paar Monate immer wieder, aber es endet nur zu oft in irgendeinem Fiasko. Immerhin wurde meine fehlende Fahrkarte diesmal nicht kontrolliert, was der ganzen Geschichte noch die Krone aufgesetzt hätte.

Als Techniker weiß ich natürlich, dass es nicht besonders schwierig ist, einen Automaten so zu bauen, dass so etwas nicht passieren kann. Aber das ist hierzulande nicht in der Mode.

Das Kino

Zurück zum Kinobesuch. Ich wollte also das Internet-Vorverkaufssystem des Kinos benutzen, um die Kinokarten in Gemütsruhe vorher zu kaufen, so dass wir ohne Stress in die Stadt fahren konnten und unsere reservierten Plätze einnehmen, ohne unnötig Zeit zu verschwenden. Dieser Vorverkauf kostet 50 Cent extra plus 17 Cent für eine SMS mit irgendeiner Schlüsselnummer auf mein Handy. Das kam mir ziemlich verrückt vor, aber nun wollte ich es ausprobieren. Ich wählte also den Film und die Zeit aus und bekam einen Bestuhlungsplan für das Kino 2 angezeigt, auf dem ich mir eine Gruppe nebeneinanderliegender Plätze aussuchen konnte.

Um es kurz zu machen, es ging nicht. Man kann mit dem Internet-System zwar Kinokarten für Erwachsene und Kinder kaufen, nicht aber für Studenten. Drei von uns fünf waren aber Studenten, und zwei davon, Georg und eine Kommilitonin, wollten direkt vom Japanisch-Kurs in der Stadt zum Kino kommen, wofür die Zeit gerade reichte.

Also blieb mir nur noch das Internet-Platzreservierungssystem, das allerdings verlangt, dass die Karten mindestens 30 Minuten vor Beginn der Vorstellung gekauft werden. Ich versuchte, die Plätze zu reservieren, die ich eben noch kaufen wollte, aber das System gab eine unverständliche Fehlermeldung aus. Obwohl die gewünschten Plätze als leer angezeigt wurden, hieß es, dass nicht genügend Plätze vorhanden seien, aber das Programm wies mir statt der gewünschten Plätze andere in der linken, hinteren Ecke zu.

Als Programmierer ahnt man oft die Fehler der Kollegen, und so nahm ich an, dass die Plätze, die ich gerade kaufen wollte, im anderen System noch vorgehalten wurden, bis zum Session-Timeout, obwohl ich das andere System explizit verlassen hatte, die Session also eigentlich beendet sein sollte. Es hieß also, warten.

Nach einigen Minuten konnte ich die gewünschten Sitzplätze tatsächlich reservieren und druckte mir als ordentlicher Mensch die Reservierung aus. Das hatte alles so viel Zeit verbraucht, dass wir dann auch gleich aufbrechen mussten.

Pünktlich 30 Minuten vor dem Beginn standen wir am Kartenschalter des Kinos, und ich zeigte meine Reservierung vor. Der nächste Tiefschlag folgte auf dem Fuße. Ich kann die Karten nur kaufen, wenn alle Studentenausweise vorgezeigt werden. Das ging aber nicht, weil zwei der Studenten noch nicht da waren. Daraufhin sagte ich, dass unsere beiden Studenten unterwegs sind und dass wir hier auf sie warten können.

Aber auch das ging nicht. Die Kartenverkäuferin hatte keinen Einfluss auf den Bestellcomputer. Zu einer bestimmten Zeit kurz nach dem Ablaufen der Gültigkeit der Bestellung wird diese vom Computer selbst automatisch gelöscht, und damit erlöschen auch die Platzreservierungen.

Das ganze System funktioniert im Allgemeinen überhaupt nicht, es sei denn, alle sind mehr als 30 Minuten zu früh da. Der Sinn einer Platzreservierung ist aber gerade, das zu vermeiden, denn wenn ich so früh da bin, dann brauche ich meist nicht vorher schon Plätze reservieren.

In unserem Falle ging es gut, aber nur, weil unsere beiden Studenten sehr bald kamen, bevor die Platzreservierung automatisch gelöscht wurde, und auch, weil an diesem Fußball-Abend die Kinos sowieso fast leer waren.

Der Automat druckte also unsere Kinokarten aus, und ich schaute ungläubig darauf, denn sie waren für Kino 3 und nicht für Kino 2, wo ich die Plätze ausgewählt hatte. In der Tat war das Kino 3 anders strukturiert und unsere Plätze waren deutlich weiter hinten als geplant.

Auch das störte in unserem Fall nicht, denn unsere Wunschplätze weiter vorne waren leer, wie überhaupt alle Plätze weiter vorne, also setzten wir uns einfach hin, wo wir wollten. Aber wenn das Kino voll gewesen wäre, dann hätte selbst trotz aller anderen glücklichen Umstände das System hier noch versagt.

Der nächste Hit waren die Kinosessel. Der obere Teil der Lehne ist weit nach vorne gekrümmt, so dass man nach einer Weile Rückenschmerzen kriegt, weil der Kopf ständig nach vorne gedrückt wird. Ich vermute, diese Konstruktion dient dem Zweck, mehr Sitzreihen ins Kino zu kriegen als das bei einer bequemen, zurückgelehnten Stellung möglich wäre. Wenn man versuchte, sich bequemer zu positionieren, dann berührte der untere Teil des Rückens die Lehne überhaupt nicht.

Dann sahen wir etwa eine Stunde lang Werbung, bevor der eigentliche Film begann.

Das einzige Lob gilt dem Kinoprojektor und dem Sound-System. Die waren ausgezeichnet. Ich wusste gar nicht, dass die Kinos auch hier schon digitalisiert sind, aber der Projektor war digital mit einer Bildbreite von 1.280 Pixeln. Die Optik war auch so scharf und gut eingestellt, dass man die Pixel, wenn man unbedingt wollte, erkennen konnte. Das ist kein Nachteil, sondern führt zu einem guten Eindruck von der Bildschärfe. Diese Auflösung reicht offenbar selbst für eine große Kinoleinwand aus.

Der DTS-Sound war ebenfalls erstklassig, so dass wir dem Kinoerlebnis trotz aller vorausgegangenen Widrigkeiten noch etwas abgewinnen konnten.

Der Film

"Indiana Jones 4" war unterhaltsam und zeigte eine Menge Action in flottem Tempo. Ansonsten gab die Story nicht allzuviel her. Möglicherweise ist dies nicht der beste Film der Serie, aber er machte es teilweise durch eindrucksvolle Computergrafik und gute Kameraführung wieder wett.

An manchen Stellen hatte ich den Eindruck, dass die Nahaufnahmen übertrieben wurden. Wenn man den Film auf einer sehr großen Leinwand sieht, dann wirkt es schon etwas seltsam, wenn die Kamera so nah an ein Gesicht heranfährt, dass die Oberkante gerade so den Haaransatz erwischt und die Unterkante das Kinn. Der visuelle Eindruck entspricht dem, nur wenige Zentimeter vom Gesicht entfernt zu sein.

Witzig fand ich, dass die Filmemacher dem Film ein ausgesprochenes Zelluloid-Feeling eingehaucht hatten. Man sah ständig an dunklen Stellen eingeblendete Staubkörnchen und beim Wechsel der Filmrollen die ovalen Wechselsignale 8 Sekunden vorher und dann zum Rollenwechsel. Man hätte glauben können, der Film wurde von den alten, großen Filmrollen projiziert, aber ich glaube eigentlich, dass er digital aufgenommen wurde, wie das heute üblich ist. Auch die starke, fast übertriebene Farbsättigung und der anscheinend nachjustierte und verstärkte Kontrast deutet darauf hin.

Randbemerkungen

Und hier noch ein interessanter Artikel (englisch) über das Thema der Kristallschädel, die in der Archäologie wohlbekannt sind. Der Film dreht sich um einen solchen. Genauer gesagt, drehen sich mehrere solche um unsere Filmhelden.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich mich in meiner Voraussage bestärkt fühle, dass die Kinos in ihrer heutigen Form dem Untergang geweiht sind, weil sie mit einem guten Heimkino nicht mehr konkurrieren können, weder preislich, noch in der Qualität. Vielleicht können sie sich auf eine Kombination von Kino und anderen Nettigkeiten retten, wie z.B. essen und trinken vor, während oder nach dem Film, aber sonst sehe ich schwarz fürs Kino.